Hol das Stöckchen!

Sonntag, 8. Dezember 2013

Zehn Dinge, die du im nächsten Jahr erwartest

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 17:42
  1. Ich erwarte, dass die Sonne wieder lang und der Tag wieder warm wird, und dass ich schon im Februar damit beginne, in den Gärten anderer Menschen einfache Arbeiten zu machen, um im späten Sommer einen Bauch voll Pflaumen, Äpfel und Gemüse zu haben. Ja, ich erwarte, dass die blöde Erdachse so geneigt bleibt, wie sie ist.
  2. Und ich erwarte, dass auf die sich verlängernde Sonne eine sich verkürzende Sonne folgt, neue Kälte und Dunkelheit, neue nasse Schwärze, die nach der Seele greift. Freund Hein hat immer zu tun.
  3. Und ich erwarte, dass A. Nahles Bundesministerin in einer großen Koalition wird. Sie hat schließlich gesagt: „Hartz IV war im Kern richtig“. Ihre Kollegen und Kolleginnen werden U. von der Leyen, H.-P. Friedrich, S. Gabriel und W. Schäuble heißen. Wohl dem, der nichts mehr fühlt; ein Segen ist der Tod geworden.
  4. Und ich erwarte, dass die Geheimdienste der Staaten weiterhin alles tun, um alle Menschen in den Staaten permanent und anlasslos unter Kontrolle zu haben. Wegen der Sicherheit. Der Staatssicherheit. Also: Der Sicherheit des Staates (und aller Profiteure dieses Systems). Vielleicht gibt es sogar Neuwahlen im heißen, irrationalen Fußballrausch.
  5. Und ich erwarte, dass sich alle Politik daran ausrichtet, Geldbesitz zu mehren, Armut zu zementieren, Freiheit zu ersticken, und. Angst zur Hauptsache der Gesellschaft zu machen, damit der Kopf in Lähmung liegt und die Hand schlaff wird.
  6. Und ich erwarte, dass geistig gesunde, erwachsene Menschen im Sommer damit anfangen, im Bierdunst Leinwände und Fernseher anzuschreien, in denen sie Menschen nach Bällen treten sehen. Dazu wird die Flagge im Wind geschwenkt, dem Land geht es gut, und die meisten Menschen haben (zunehmend weniger) Brot und (immer mehr und aufwändiger präsentierte) Spiele.
  7. Und ich erwarte, dass die Verarmung eines immer größer werdenden Anteils der Menschen in Europa mit voller Gewalt auf Frankreich übergreift, dass es dort zu Aufständen kommt, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.
  8. Und ich erwarte, dass Menschen weiterhin die Diktatur des Geldes eine Demokratie nennen werden, und dass sie weiterhin die Gewalt einer kleinen Clique mit Politik verwechseln. Kurz: Dass sie weiterhin die Propaganda für Wahrheit halten, und. Die Wahrheit für Propaganda, weil ihnen die Propaganda diese Lüge jeden Tag in die Hirne und Psychen beizt.
  9. Und ich erwarte, dass es Kriege gibt, die vorgeblich aus den besten Absichten geführt werden, die aber in Wirklichkeit staatlich betriebener Raubmassenmord sind. Aber das. Ist nichts Neues.
  10. Und ich erwarte schließlich, dass weiterhin die Wände der Schulen verschimmeln, während die barocke Pracht der Kirchen mit Steuergeldern — nein: Nicht die Kirchensteuer — erhalten wird; dass klugen, langsam und methodisch vorgehenden Geistern kein Platz in der medialen Öffentlichkeit gegeben wird, während jeder irrationale Brüllhansel durch die Talkshows gezogen wird; dass Wissen, Erfahrung und Können als Nichts gewertet werden, während die gut dargebrachte Lüge mit Geld und Anerkennung belohnt wird; dass Schreibtischtäter sich „Leistungsträger“ nennen und mit dieser Selbstbenamsung Geld und Privilegien einfordern und bekommen, während Putzfrauen und Pflegekräfte kaum noch wohnen können; dass es mindestens sechs „Brennpunkte“ mit höchstaktuellem Panikton im Staatsfernsehen zu alles in allem gewöhnlichen Wetterereignissen gibt, während die Gesellschaft in Flammen steht; dass die Menschen Farmville spielen und ihren Industriefraß aus dem Supermarkt kaufen und dass ausgerechnet jene (oft deutlich) Über-Sechzigjährigen in den Medien von der Zukunft des Landes sprechen, die ihre Zukuft längstschon hintersich haben. Gruß auch an Helmut Schmidt!

Und zu guter Letzt erwarte ich, dass die Leute zu Silvester feiern, dass sie einen neuen Kalender brauchen, dass sie saufen und knallen und ganz kindisch hoffen, dass sich durch den Wechsel einer Jahreszahl irgendetwas verändern würde — bis sie schließlich mit ihrem Neujahrskopf aufwachen, ihre Füße durch den Knallmüll der Straßen bewegen, „um etwas Luft zu schnappen“ und sich schließlich wieder hinlegen. Hoffend. Und. Wartend. Auf irgendwas.

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