Hol das Stöckchen!

Sonntag, 31. Januar 2010

Wenn ich nicht ich wäre, sondern…

Filed under: Stöckchen — Nachtwaechter @ 03:30

Das Stöckchen, über das ich da beim Lordy gestolpert bin, kommt mir ja recht vertraut vor, ganz so, als sei ich schon einmal darüber gestolpert. Aber wer so eine passende Grafik über seine Stöckchen setzt, der appeliert an den schwanzwedelnden Stöckchensammler und -vergraber in mir, also auf!

Wenn ich nicht ich wäre, sondern…

… ein Monat: Oktember
… ein Wochentag: Shabbat
… eine Tageszeit: Sommersonnengreller Mittag
… ein Planet: Saturn
… ein Meerestier: Qualle
… eine Richtung: Vorwärts im Rückwärtsgang
… eine Zahl: 355 geteilt durch 113
… ein Kleidungsstück: Baströckchen
… ein Schmuckstück: Silberner Siegelring
… eine Kosmetik: Tätowiernadel
… eine Blume oder eine Pflanze: Gänseblümchen
… eine Flüssigkeit: Schlamm
… ein Baum: Weide
… ein Vogel: Dohle
… ein Möbelstück: Bett
… ein Wetter: Stahlblauer Sommerhimmel und kein Frieren
… ein mythisches Wesen: Judas Iskariot
… ein Tier: Eichhörnchen (die kennen keinen Winter)
… eine Farbe: Lindgrün mit hellrosa Klecksen
… ein Element: Helium
… ein Auto: Fahrrad
… ein Lied: Covenant – Phoen IX
… ein Film: Contact
… eine Filmfigur: Saw
… eine Stimmung: Glucksende Heiterkeit
… ein Körperteil: Die leichte Verdichtung über meinem Anus
… ein Gesichtsausdruck: Lächeln
… ein Schulfach: Unterrichtsausfall
… ein Gegenstand: Schlüsselring
… ein Wort: Einsheit
… ein Körpergefühl: Ekstase
… ein Knabbergebäck: Zwieback
… eine Sportart: Hochleistungsdaumendrehen
… ein Getränk: Wasser
… eine Eissorte: Walnuss
… ein Märchen: De Buer un sien Fru
… ein Spielzeug: Rubiks Cube
… ein Land: Tonga

Freitag, 15. Januar 2010

Stöckchen

Filed under: Stöckchen — Nachtwaechter @ 22:41

QntalWas für ein schlichter Titel für das Stolperholz im Internet. Und ich weiß genau, wo ich das gefunden habe und mache auch gleich weiter — ein Mensch, der gerade Qntal im Player liegen hat, ist mir auf der Stelle so unfassbar sympathisch, dass ich gar nicht mehr widerstehen kann. Obwohl mir eigentlich nichts über die Qntal II geht. Aber was fasele ich über Musik, hier will wieder ein Stöckchen mitgenommen werden…

Wo ist dein Handy?
Welch Glück, dass es aus meiner Hosentasche niemals klingelt und das meine Quasselfunke nur in meinem Albträumen vorkommen kann. Wie selig ist doch die Unerreichbarkeit. Wie süß ists doch, miteinander zu sprechen, ohne dass ein Gebührenticker im Kopfe tickt. Und dieser SMS-Irrsinn und dieser ganze kalttechnische Tineff, der sich am Handy festmacht, reizt mich nur dazu, niemals eines zu besitzen.

Dein Partner?
Wer immer auch mein Partner sein soll, ich werde sie wohl nicht mehr kennenlernen. In meinem Liebesleben ist ewiger November.

Deine Haare?
Größtenteils abrasiert, nur ein kleines dünnes Zöpfchen wuchert vor sich hin und hilft vielleicht mal jemanden dabei, mich aus dem Sumpf meines Daseins herauszuziehen.

Deine Mama?
Die hat mich weggeschmissen, als ich noch klein und wehrlos war, und jetzt stirbt sie seit Jahren vor sich hin, was mich sehr freut.

Dein Papa?
Der hat mich gezeugt und sich dann anderen Dingen zugewandt, und jetzt legt er sein Gehirn in Alkohol ein und kann es damit doch nicht konservieren.

Lieblingsgegenstand?
Oh, da schwanke ich zwischen dem halbkaputten Fahrrad, dass die Massen meines Fleisches leicht und mühelos über die Kilometer bringt und dem unendlich praktischen Jornada 820e, der eine perfekte Schreibmaschine für mein unentwegt unterwegstes Leben ist.

Dein Traum von letzter Nacht?
Eine riesen bunte Schüssel voll von ungesundem lecker Essen.

Dein Lieblingsgetränk?
Befindet sich in der Leitung und fließt aus der Wand, wenn ich die Kurbel drehe.

Dein Traumauto?
Fahrrad.

Der Raum in dem du dich befindest?
Das Zimmer einer alten Frau, die jetzt von den Ärzten in einem Krankenhaus ausgeweidet wird, es müffelt nach Spießigkeit und Kitsch.

Deine Ex?
Ein schwerer Rausch, Hormonvergiftung, so blind, dass man nicht bemerkte, dass da gar nichts passt. Entsetzlich, dieses Körperzeug.

Deine Angst?
Dass es so weiter geht.

Was möchtest Du in zehn Jahren sein?
Erfolgreicher Revolutionär in einer besseren Welt oder tot.

Mit wem verbrachtest Du den gestrigen Abend?
Mit einem kalten Telefon und der Stimme eines einsamen Menschen in den Händen von Ärzten und mit meinem Herz, das ich am liebsten selbst aus der Brust gerissen hätte. Am Telefon darf man nicht fühlen, und die meisten tun es nicht. Ein schrecklich Gerät!

Was bist Du nicht?
Traurig, Hoffnungsvoll und Unfähig.

Das Letzte, was Du getan hast?
Noch einmal im Krankenhaus angerufen, mir ist seitdem so schrecklich kalt, dass keine Heizung mehr hilft. Ich will mich in den Schnee legen und in das Blau wegdämmern.

Was trägst Du?
Die ganze Last meiner Erfahrungen.

Dein Lieblingsbuch?
Das Voynich-Manuskript, aber es ist eine Hassliebe.

Das letzte, was Du gegessen hast?
Eine trockene Scheibe Brot.

Dein Leben?
Es ist kurz, fröhlich und sinnlos.

Deine Stimmung?
Eine traurige und unbezwingbare Heiterkeit, die heraus möchte.

Deine Freunde?
Ein kleiner Haufen, der lange schon wegstirbt.

Woran denkst Du gerade?
Ich frage mich, was einen Menschen wohl dazu bewegt, solche Stöckchen zu basteln, dazu Fragen aneinanderzuhängen und diese zu beantworten. Ist es die Sehnsucht nach Googles Äquivalent zur Liebe, die vielen Backlinks derer, die das Stöckchen aufsammeln und damit spielen und Antworten unter die Fragen stellen, immer hübsch mit einem Link zurück? Oder ist es die Freude an der kontrollierten Entblößung im anonymen Raum des Internet, der offenen Form der geschlossenen Anstalt? Und ich komme zu keinem Schluss. Vielleicht ist es ja einfach nur Gedankenlosigkeit, einfach nicht weiter. Doch die scheinbare Gedankenlosigkeit ist meist eine Illusion, und sie ist niemals eine Motivlosigkeit, so dass die Frage lohnt, die niemals wohl ehrlich beantwortet werden wird. Ich nehme solche Stöckchen jedenfalls auf, weil ich einen hämischen Spaß daran, diese Stöckchen für das „normale Leben“ mit dem Abrieb meines Daseins zu verarbeiten und dabei die Strukturen des „normalen Lebens“ bloß zu stellen, und ich bin dabei heilfroh über die Anonymität des Netzes, in der ich diesen virtuellen Exhibitionismus vollbringe. Außerdem sind Stöckchen in meinen Augen eine Kunstform, die viel zu wenig gepflegt wird — an ihnen lässt sich die ganze sprachliche Ausdrucksform zu Holz machen. Das ist ein kleiner Teil dessen, was ich gerade denke und was es schafft, über die Mauer der Bewusstseinsfähigkeit zu hüpfen, darunter liegt ein schlüpfer Morast aus ganz anderen Gedankenembryonen, die solches selten nur schaffen und sich meist in nebelweißen Andeutungen zwischen den Zeilen und Worten zu äußern verstehen. Eine Frage aus vier dürften Wörtern enthält genug, um das Schreiben eines ganzen Buches zu veranlassen, wenn sie ernsthaft beantwortet wird, und dieses Buch, es wäre niemals niemals fertig.

Was machst Du gerade?
Na, was wohl. Vor mir liegt eine Tastatur, die inzwischen über 15 Jahre alt ist, aber meinen Anschlag besser überlebt als jedes neue Modell, und hier, wo ich öfter mal am Rechner arbeiten kann, habe ich sie mir bereit gelegt. Auf dieser Tastatur bearbeite ich einen Text, den ich in einem kleinen Fenster sehe, er besteht aus den Fragen des Stöckchens und meinen Antworten. Alles das schreibe ich in einem sehr altmodischen, aber mir völlig vertrauten Texteditor, und ich werde es mit Hilfe eines kleinen, selbstgeschriebenen Programmes zu meinem Stöckchengrab senden, wenn ich damit fertig bin. Das alles lässt nicht viel Raum für Nebentätigkeiten.

Dein Sommer?
Zu wenig Schlamm.

Was läuft in Deinem TV?
Ich benutze dieses Medium seit mehreren Jahren nicht mehr, weil ich nicht irre und auch nicht stumpf werden will.

Wann hast du das letzte Mal gelacht?
Erst vor knapp drei Stunden, als ich das Sterben von Jamendo verfolgte.

Das letzte Mal geweint?
Vor einigen Tagen, als ich die unmenschliche Kälte kennenlernte, die man hier Gesundheitswesen nennt.

Schule?
Ein Ort der gewaltsamen Entkernung und Enthirnung der Persönlichkeit.

Was hörst Du gerade?
Das Rauschen eines Lüfters im Computers und den dröhnen Krach einer breiten Straße in der grauen grauen Stadt.

Liebste Wochenendbeschäftigung?
Was ist ein Wochenende? Für mich sind alle Tage gleich, und meine liebste Beschäftigung ist es immer noch, in großer Heiterkeit durch mein sinnloses Leben zu gehen.

Traumjob?
Das Wort „Job“ führt bestenfalls zu Albträumen. Schon in der Verwendung dieses technokratisch klingenden, denglischen Wortes, dass an Stelle des fühlsameren Wortes vom „Berufe“ getreten ist, zeigt sich der gesamte Niedergang der Kultur.

Dein Computer?
Ein kosmischer, komischer, kleiner geschenkter, der mir jeden Tag treu dient. Außer manchmal.

Außerhalb Deines Fensters?
Wohnquader, in die Fenster geschnitten sind, aus jedem dritten dringt das bläuliche Flackern der Volksempfänger. Zwischen den Quadern Straßen, auf denen es keine Menschen gibt, aber Autos Autos. Der kalte Dunst. Hat selbst den alten, fetten Mond verschlungen.

Bier?
Kein Gröhlwahnwasser.

Mexikanisches Essen?
Dem Hungrigen ist es egal, welchen Reisepass seine Speise mit sich trägt.

Winter?
Hoffentlich der letzte, den ich erlebe.

Religion?
Der Versuch, ein Problem zu lösen, das ohne die Religion gar nicht existierte.

Urlaub?
Was soll ich damit?

Auf Deinem Bett?
Kein Bett.

Liebe?
Alles und jeden, aber ohne jede Kette.

Montag, 11. Januar 2010

Kinder, wie die Zeit vergeht

Filed under: Stöckchen — Nachtwaechter @ 22:48

Da geht man in die Höhle der haarigen Biester, und worüber stopert man in der Dunkelheit dieses Hohlraumes? Über ein Stöckchen

1. Was wolltest du werden, wenn du groß bist?
Ich wollte nicht groß werden.

2. Wen wolltest du heiraten?
Ich wollte erst recht niemanden heiraten. Ich hab doch schon als hilfloser, kleiner Zwerg mitbekommen, wie so eine Ehe aussieht. Sie besteht aus Suff, Geldsorgen und Gewalt. Nee, das wollte ich wirklich nicht haben. Wie froh ich bin, dass ich irgendwann recht früh entdeckt habe, dass man auch selbst an seinem Pillermann rumspielen kann und wie schön das ist.

3. Was war deine Lieblings-Eissorte?
Schocko

4. Dein Lieblings-Spielzeug?
Dreck und tote Ratten

5. Wovor hattest Du Angst?
Vor den Menschen, die Gewalt über mich ausüben konnten, wenn sie mal wieder völlig besoffen nach Hause kamen und völlig unberechenbar waren. Oh, wenn ich als Kind doch wenigstens hätte hassen können!

6. Wer war dein/e beste/r Freund/in?
Ich war als Einzelgänger radikal. Warum hätte ich jemanden zum Freund haben sollen, der mich doch nur verprügelt und missachtet.

7. Was war dein Lieblings-Schulfach?
Was für eine Frage! Schule! Dieser Ort der Verdummung, Enthirnung, totalen Ödnis im Flackerschein des Neonlichts. Mein Lieblings-Schulfach waren die Ferien, die immer viel zu kurze waren.

8. Was war dein schlimmstes Schulfach?
Sport.

9. Was war dein Lieblings-Buch?
Ach, das waren so viele, wie die öffentliche Leihbücherei herumliegen hatte — so lange ich nicht in der eigens für knickbare Zwerge eingerichteten Kinderabteilung war. Am liebsten mochte ich die Kriminalromane von Agatha Christie, und die finde ich sogar jetzt noch großartig!

10. Was wolltest du nie sein, wenn du erwachsen bist?
Das Elend, das mich umgab. Und das ich jetzt bin.

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