Hol das Stöckchen!

Mittwoch, 12. November 2008

Das Wäre-ich-Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 17:31

Oh, beim Wortmann liegt ein Stöckchen herum, da muss ich gleich nach greifen. Und dann noch so ein feines Stöckchen mit Konjunktiven und so kurz…

Wäre ich …

ein Monat: Juli
ein Wochentag: Sabbat
eine Tageszeit: einige Sekunden nach Mitternacht
ein Planet: Saturn
ein Meerestier: Qualle
eine Richtung: Abwärts, bis ich oben bin
ein Möbelstück: Schublade (unaufgeräumt und rümpelig)
eine Sünde: Mord
eine historische Figur: Jesus aus Nazaret
eine Flüssigkeit: Schlamm
ein Stein: Zahnstein
ein Baum: Weide
ein Vogel: Amsel
ein Werkzeug: Multifunktionales Taschenmesser
eine Blume: Löwenzahn
ein Wetter: Brennende Sonne am stahlblauen Himmel
ein mythisches Wesen: Der heilige Geist
ein Musikinstrument: Computer
ein Tier: Glühwürmchen
eine Farbe: dunkellila mit hingekleckerten, gelben Einsprengseln
ein Gemüse: Erbse
ein Geräusch: Stille
ein Element: Erde
ein Auto: kaputt
ein Lied: Ocean Sea (von All My Faith Lost)
ein Film: The Wall (von Pink Floyd)
ein Buch: Eine schlecht aus dem Japanischen übersetztes Handbuch zu einem Toaster
ein Wort: Frieden
ein Körperteil: Ein schwer erklärbarer Punkt unmittelbar über dem Anus
ein Gesichtsausdruck: grinsend
ein Schulfach: Religion
eine Cartoonfigur: Franz Müntefering

Wer mag, der bediene sich…

Mittwoch, 5. November 2008

Zufallsgenerator-Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 04:22

Was hat den „hier und jetzt“ da auf den Weg gelegt? Ein feines Stöckchen, das erfreulich kurz und deshalb leicht in der bloggenden Schnauze zu tragen ist.

Das Zufallsgenerator-Stöckchen

Verrate einfach acht zufällige Dinge über dich selbst!

Oh weia, dieses Stöckchen hat aber Nerven! Wie soll ich denn auf zufällige Dinge kommen? Soll ich die auswürfeln? Soll ich glauben, dass meiner zuckenenden Psyche wirres Assoziieren im Dunkel solcher Aufgabe etwas Zufälliges habe, wo doch jeder interpretierte Tintenklecks beim Seeleningenieur solchen Glaubens spottet? Soll ich noch mehr defätistischen Fragen in sarkastisch gehobener Sprache kursive Schriftart verleihen, bevor ich der zahmen Selbstentblößung voyeuristische Freuden im Netze darbiete? Nein? Na gut, dann fange ich mal an…

  1. Ich bin ein Nachtwesen. Wenn ich frei und ohne jede Verpflichtung leben kann, denn werde ich immer erst müde, wenn der Morgen dämmert. Im Winter, wo des frühen Lichtstrahls Streifen übers Land zeitlich in die Späte rückt, verschliefe ich die Tage, die ich eh nicht mag. Ach, wie ich die Igel und die Eichhörnchen beneide, sie kennen keinen klirren Winter und keinen weihnachtlichen Seelenfrost, nur den Schlaf!
  2. Ich habe es gelernt, Frauen aufrichtig zu hassen — und das ist besser als die Verachtung älterer Schichten des Erkennens. Oh, diese gezielt affektierten Marionetten ihrer sattlosen Gier, die sich mit jeder Geste Marktwert zu geben suchen! Nur schwul zu sein, das habe ich nie gelernt. Was wäre ich nur ohne meine Hände?
  3. Ich träume von umbenannten Straßen, insbesondere Alleen. Eine Werberallee, eine Politikerallee, eine Allee der Bankiere. Und an jedem Alleebaum zuckt einer dieser Weltverpester an hanfener Krawatte seine letzten, gierigen Zuckungen aus, den Sanften und Zerschlagenen zum innerlichen Tanze. Das wird der Tag, an dem ich Frieden schließe — denn diese sind als Leichen erst friedlich.
  4. Ich konnte Freund Hein einmal schon von der Schippe springen, sah schwirre schwebend die fleische Unform von oben auf dem Grase liegen und stellte erheitert fest, dass ich wirklich nicht mit Schönheit gesegnet bin. Ich unterhielt mich mit Gott, konnte nicht mehr aufhören, über des Kosmos plumpen Witz zu lachen und kehrte mit einer Lust zurück, die heute noch viele Menschen erstaunt, lernen sie mich einmal als warmes Gegenüber kennen.
  5. Wann ich als älteres Kind die ersten Computer sah, wurde das schicksalhaft wie wohl für andere die erste Liebe. Keinem kann ich diese Anziehung begreiflich machen, der nicht vom gleichen rasen Wahn befallen, und bis zum heutigen Tag ist das nicht erkaltet, wenn auch abgekühlt. Was habe ich die heiße Jugend daran vergeudet!
  6. An meinem letzten Album habe ich über ein Jahr gesessen, und als es fertig war, fiel eine Last von mir ab und ich brach zusammen. Wie sehr ich mir manchmal bessere Bedingungen für das kreative Werk wünschte! Aber habe ich sie, denn kommt das Werk nicht zu Stande; ein seltsamer psychischer Mechanismus verhindert es, wenn mir alles zu leicht ist. Manchmal frage ich mich, ob das ein allgemeines psychisches Prinzip des Menschen ist, und ob deshalb mit der Zunahme des Wohlstandes und der Möglichkeiten auch eine Zunahme der Dummheit und der Bequemlichkeit heraufzieht. Wäre dem so, könnte der künftige Zusammenbuch hoffnungsvolle Saat sein.
  7. Ich mag Schlamm. Von nichts anderem fühle ich mich so aufgenommen, schon gar nicht von etwas Lebendem. Nur wenige Dinge lassen diejenige Einsheit fühlen, die doch die einzige Wirklichkeit ist, und diese Dinge sind in aller ihrer Harmlosigkeit doch tabuisiert, auf dass die Menschen nichts vom Seinszustande mitbekommen.
  8. Bei aller Ruhe und aller Einsicht in die glucklachende Sinnlosigkeit des kosmischen Witzes: Wenn ich meinen langsamen körperlichen Zerfall erlebe, wenn ich mir selbst ernsthaft einräumen muss, wie wenig ich bewegt habe, wenn ich die Trümmer meines Lebens in die Hand nehme, kurz, wenn ich damit aufhöre, meinen Narzissmus darin zu füttern, dass ich mich an den dumpfhirnigen Barbaren um mich herum messe und in einer angemesseneren Weise die Klaffe zwischen Sein und Möglichkeit betrachte und dabei das kaltwütige Rasen der Zeit wahrhaben muss, dann überfällt mich keine Torschlusspanik, sondern etwas viel Schlimmeres, und das ist die deprimierende Einsicht, dass ich nie gelebt habe, dass ich als Fötus schon gestorben bin. Da hilft kein Vergleich und keine relative Betrachtung; es gibt kein Surrogat für ein entgangenes Leben. Es gibt nur die Trauer im verborgenen, im inneren Kloster, dass sich mit einer Clownsfassade gegen seine Entdeckung schützt.

Und jetzt soll dieses Stöckchen seinen achtfachen Weg nehmen, indem ich es an acht Leute werfe? Kommt gar nicht in die Tüte. Es wird hier schön vergraben, hier, wo es keiner findet — und wer es doch ausgräbt, der bediene sich…

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