Hol das Stöckchen!

Mittwoch, 1. Oktober 2008

FAZ-Fragebogen-Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 14:06

Was, die FAZ wirft mit Stöckchen um sich? Oder ihre Fragen werden zu Stöckchen gemacht, die dann durch die Bloggosphäre geworfen werden, damit die Bloggenden ihnen hinterherlaufen? Und ich stolpere dann bei der Schlampengöttin darüber…

Was ist für Sie das größte Unglück?
Dass ich durch mein Leben vegetiere.

Wo möchten Sie leben?
Dort, wo man nicht friert. Weder an der Seele noch am Körper. Leider kann ich dahin nicht umziehen, mir fehlt das Raumfahrzeug.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Ein unangefeindetes Leben unter den Bedingungen einer funktionierenden Anarchie.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Die, die nicht gemacht werden, die sich einfach darauf beschränken, mögliche Fehler zu bleiben. Solche Fehler kann ich nicht nur leicht entschuldigen, sie sind mir sogar sympathisch.

Ihre liebsten Romanhelden?
Marvin aus „Hitchhikers Guide to the Galaxy“.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Jene Menschen, die niemals in einem Geschichtsbuch erwähnt werden. Zum Beispiel alle Deserteure, die sich nicht weiter dazu bereit finden, für die Interessen einer kleinen Clique von Besitzenden zu sterben und zu morden, um sich dann mutig und unter Todesgefahr auf die Möglichkeit eines eigenen Lebens zu besinnen. Die ganzen Gestalten hingegen, die in den Geschichtsbüchern die Seiten beflecken, sie wären wohl von niemanden vermisst worden, hätte es sie nicht gegeben.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Jeder Mensch, der sich darauf besinnt, dass man etwas tun kann und deshalb tut, was er kann.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?
Die kleine Aster aus dem gleichnamigen Gedicht von Gottfried Benn.

Ihre Lieblingsmaler?
Henri de Toulouse-Lautrec.

Ihr Lieblingskomponist?
Krzysztof Penderecki.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Dass er Mensch ist.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Dass sie Mensch ist.

Ihre Lieblingstugend?
Ich habe keine „Tugenden“, nur eine Persönlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Masturbation.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Es hätte mir völlig gereicht, wenn ich nur die Hälfte von dem geworden wäre, was als Potenzial in mir liegt.

Ihr Hauptcharakterzug?
Humor.

Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten?
Dass sie Menschen sind.

Ihr größter Fehler?
Dass ich immer wieder eigenen Einsichten misstraut habe, die sich dann im Nachhinein als richtig herausstellten. Daraus hat sich eine Haltung entwickelt, die vielleicht auch falsch ist: Dass ich niemanden mehr traue, dessen eigener Vorteil in allem Tun, Denken und Reden so überdeutlich wird; und dass ich mich selbst dort, wo es nicht überdeutlich ist, nach dem Vorteil frage, den die Canaille Mensch aus ihrem Tun, Denken und Reden zu ziehen sucht und deshalb mit einem Misstrauen herumlaufe, dass mich fast ungenießbar für andere macht. Aber das gebrannt Kind scheut eben das Feuer. Das ist mir lieber, als wenn ich zum gerösteten Kind würde…

Ihr Traum vom Glück?
Ich träume nicht vom Glück. Ich bin glücklich.

Was möchten Sie sein?
Ein Vorübergehender. Aber das bin ich auch.

Ihre Lieblingsfarbe?
Bunt.

Ihre Lieblingsblume?
Diese völlig unbeachteten Gänseblümchen, die fast das ganze Jahr überall sprießen, wo man sie lässt. Durch ihre Kleinheit, Duftlosigkeit und Masse fallen sie den meisten Menschen gar nicht mehr auf, und doch ist jedes von ihnen hübsch, wenn es seine pflanzlichen Geschlechtsorgane den Insekten hinhält.

Ihr Lieblingsvogel?
Die Graugans. Nichts kann jede Überzeugung, die in grimmen Worten wie „Kampf ums Dasein“ mitschwingt, so zersetzen, wie das mehrstündige Betrachten von Graugänsen. Durch nichts aus der Ruhe zu bringen, watscheln sie durch ihr Gänseleben, nehmen sich, was die Erde überreich bietet, aus dem Schlamm der Tümpel und selbst ihre Konflikte (es gibt sie) wirken nichtig und verursachen kein langfristiges Dilemma.

Ihr Lieblingsschriftsteller?
Michel Houellebecq.

Ihr Lieblingslyriker?
Gottfried Benn.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Jeder Mensch, dem es gelingt, sich gegen den Druck einer übermächtigen Angst der strukturellen Gewalt in dieser Gesellschaft zu entziehen. Und ein richtiger Held entzieht auch andere dieser Gewalt. Jeder aus individueller Einsicht handelnde Deserteur, Saboteur, Brandstifter, Aufklärer, Blasphet ist ein Held. Der. Den Heldenkult um sich gewiss ablehnen wird, da er genau weiß, dass jeder Heldenkult nur ein Vorwand für die unverschämte Bequemlichkeit der Massen ist, die allzugern zu Helden aufschauen.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?
Rosa Luxemburg.

Ihre Lieblingsnamen?
Mirjam (hebr.: Bitterkeit). Der Name drückt alles aus, was der Menschin im Leben begegnen wird.

Was verabscheuen Sie am meisten?
Die stumpfe, blinde Haltung des unverbindlichen Konsums, die sich in jedes menschliche Miteinander legt und alles Schöne erstickt.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?
Alle Päpste, Pfaffen und Jesusverkäufer und die Kanalisateure der Ströme von Blut, die dieses Gesocks nach oben gespült haben.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?
Gehts noch? Soll ich jetzt etwa schreiben, dass ich den Abwurf zweier Atombomben auf zwei große japanische Städte bewundere? Oder die Entwicklung eines Drills, der den individuellen menschlichen Willen und jede Vernunftanwendung beim Handeln auf Befehl auslöscht? Oder den überraschenden Überfall der deutschen Wehrmacht nach Russland? An der Gewalt dressierter Menschen zu Gunsten einer kleinen Clique von Räubern ist nichts zu bewundern, ganz im Gegenteil, sie kann gar nicht kritisch genug gesehen werden.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Welche Reform?

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Vermehrung durch Knospung.

Wie möchten Sie sterben?
Wenns nach meinem Möchten geht, gar nicht — und bitte auch nicht altern, kraftlos werden, die eigenen Freunde wegsterben sehen, frieren und dürsten. Aber da ich ja sterben möchte, und hier nur die Frage nach dem „wie“ steht, muss ich sagen: In schmerzlosem Bewusstsein.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Kopfmatschigkeit aufgrund permanenter Übermüdung.

Ihr Motto?
Das Leben ist kurz, fröhlich und sinnlos.

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