Hol das Stöckchen!

Donnerstag, 4. September 2008

Zehn-Dinge-Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 03:02

Da denke ich doch, dass mir ein Blog mit dem Namen „Noite de Lua Cheia“ wohl eher etwas spanisch vorkommen wird, und worüber stolpere ich da? Über ein gerades, deutsches Stöckchen. Das musste ich einfach mal wieder verstohlen an mich reißen, um es hier zu vergraben…

Zur Aufgabe: In diesem Stöckchen soll man die 10 Dinge aufführen, die man am liebsten mag oder hat. Ursprünglich war es mal ein längeres Stöckchen mit 20 Dingen, aber für die allgemeine Schreibunlust wurde es ein wenig heruntergebrochen. In halber Länge geht es auch doppelt schnell. Die Reihenfolge drückt keine Gewichtung aus.

  1. Wenn es das GNU-Projekt und Linux nicht gäbe, könnte ich wohl nicht mehr leben. Jedes Mal, wenn mich der allgemeine Wahnsinn der heutigen Zeit völlig entmutigt, kann ich mich daran aufrichten, dass es zumindest in einem kleinen Bereich eine gut funktionierende Anarchie gibt, von der viele Menschen etwas haben.
  2. Unendlich wichtig ist für mich die Sonne, und ist für mich die Wärme. Frieren ist Scheiße, und ich weiß nicht, ob ich den kommenden Winter zum Anlass für meinen Freitod nehmen werde.
  3. Kaffee ist ein wunderbares Getränk, schmackhaft und erquickend.
  4. Wenn M. nicht lebte, es gäbe mich schon längst nicht mehr. Eine solide Hassliebe ist stabiler als aller emotionaler Rausch.
  5. Es gibt kaum etwas schöneres als Ruhe, vor allem, wenn man seine Ohren im täglichen Lärm verödet.
  6. Oh, wie ich die deutsche Sprache liebe! Mit allen ihren Unregelmäßigkeiten, ihren teils archaischen Formen, ihren vielen Anklängen voll uralter Weisheit und mit ihren Konsonantenhäufungen. Fast überall auf der Welt würde man jemanden, der ein Wort wie „Broccolistrunkstück“ von sich gibt, für halskrank halten. In Deutschland spricht er die Hochsprache. Und hat kein Problem, in Kneipen namens „Zwetschgenkroiger“ zu gehen, deren Name zwei Dritteln der Welt einen schmerzhaften Krampf im Sprechapparat abverlangte. Ohne meine Sprache wäre ich nackt, denn ich könnte mein eigentliches Sein, die Gedanken, nicht mehr bekleiden.
  7. Manchmal, wie ich durch triefe Sümpfe gehe, sehe ich metallisch, einem organischen Hubschrauber gleich, Hoffnung für das Leben an sich. Eine Libelle, groß und mir chauvinistischem Wirbeltier eigentümlich fremd, zeigt mir, dass das Leben älter ist als die Menschen, und dass es auch Schöneres hervorgebracht hat als die Menschen. In der Ferne pickt ein ungleich vertrauterer Graureiher ungleich vertrautere Kröten auf, ein Mahl, das keinen Kampf erfordert, und das Grün ist allgegenwärtig auf den trüben, matschigen Lachen. Wo die Erde noch wie ein unbewohnter Ort riecht, bekommt ihr tödlicher Ruf auch etwas Tröstliches.
  8. Vor einigen Wochen habe ich etwa 10 Jahre alten Jornada 820e von Hewlett Packard geschenkt bekommen, und dieses Ding ist mir schon ans Leben gewachsen. Eine Schreibmaschine für unterwegs, deren Akkus immer noch zehn Stunden halten können, ist genau das, was mir immer gefehlt hat.
  9. Wie lieblich sind Wohnungen ohne Fernseher! Wie menschlich sind die darin wohnenden Menschen!
  10. Jedes Kind zeigt in lichten Momenten, in denen es sich völlig unbeobachtet wähnt, auch von den Eltern völlig unbeobachtet, dass das Leben eine reine Lust ist. Wenn so ein Pimpf mit Freude in eine Pfütze springt, dass es nur so spritzt und kleckert und wenn er gar nicht genug davon kriegen kann, denn fängt dieser Anblick mehr von der möglichen Freude des Seins ein als alle werbenden Versprechungen von Sicherheit, Genuss und Konsum.
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2 Kommentare »

  1. Nein, nicht spanisch….ich bin für portugiesisch! 🙂 Vielen Dank für das Abholen des Wurzholzes…

    Kommentar von tshalina — Donnerstag, 4. September 2008 @ 08:19 | Antwort

  2. Wie ähnlich die Sprachen doch für einen völlig Unkundigen aussehen können, wenn gewisse orthografische Eigenarten wie die Tilden über Vokalen nicht sichtbar werden… 😉

    Kommentar von Elias — Donnerstag, 4. September 2008 @ 18:26 | Antwort


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