Hol das Stöckchen!

Donnerstag, 14. August 2008

Grooooßes Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 01:50

Einfach bei 08/15 mitgenommen

1. Wenn ich in deinem Wohnraum die erste Schublade öffne, was finde ich darin?
Ich habe keinen „Wohnraum“. Aber hätte ich einen Wohnraum, so fändest du meine Schubladen genau so unaufgeräumt wie den Raum. Einiges, was du darin fändest, überraschte dich, und einiges, was du darin fändest, überraschte dich nicht.

2. Hast du ein Geheimversteck? Wenn ja, was finde ich darin?
Hinter meinem Anus verberge ich mein Inneres.

3. Drei Worte, die dir etwas bedeuten.
Klarheit, Wahrheit, Heiterkeit.

4. Aussehen oder Charakter?
Immer das, was gerade fehlt.

5. Herzhaft oder Süß?
Satt.

6. Du kannst in einer Sache die Welt verändern. Was wäre die Sache?
Ich würde meine behaarten Vorfahren davon überzeugen, dass es besser ist, nicht von den Bäumen herabzusteigen.

7. Dein innigster Wunsch? (Damit sind nicht so vorbildliche Wünsche wie Weltfrieden gemeint, sondern ein ganz persönlicher Wunsch)
Dass an jedem Alleebaum ein Spammer, Werber, Sozialpädagoge oder Bankangestellter hängt.

8. Du kannst ein Haus erwerben, Geld spielt keine Rolle, was wäre das für ein Haus?
Das wichtigste an einer Immobilie ist zunächst die Lage, daher kommt ja auch der Name „Im-Mobilie“. Deshalb muss das Haus dort sein, wo es warm ist, wo es ruhig ist und wo genügend Land drumherum ist, dass ich davon satt werden kann. Auch den Platz für einen Esel und eine Ziege hätte ich dort gern. Das Haus selbst ist mir gleich, so lange der Regen auf ein Dach und nicht auf mich fällt. Im Idealfall wäre es eine kleine Lehmhütte mit Internet-Zugang.

9. Die drei wichtigsten Dinge in deinem Leben.
Der fröhliche Wahnsinn, die Gewissheit der eigenen Sinnlosigkeit und meine unterfickten Hoden.

10. Jeder hat ein Talent, welches ist deiner Meinung nach deins?
Die Fähigkeit zum musikalischen und sprachlichen Ausdruck, die fühlbar macht, was unaussprechlich ist.

11. Du kannst einem Stern einen Namen geben, welchen Namen vergibst du?
Nachtkrauteintopf.

12. Reinkarnation, wer warst du deiner Meinung nach schon?
Bevor mein Bewusstsein schmerzvoll in mir erwachte, war ich erfreulich „un“. Und nachdem das Bewusstsein in schmerzvollen Zuckungen ausgehaucht ist, werde ich erfreulich „un“ sein. Der Kosmos hat sich so lange ohne mich behelfen können! Der Kosmos wird sich so lange ohne mich behelfen können. Was soll nur der blutige Rasewahn der Lust dazwischen, der den Kosmos in meinem Bewusstsein abbildet?

13. Was würdest du für jemanden opfern?
Eine Stechmücke zum Klatschopfer für die Gottheit der rotjuckenden Quaddel.

14. Drei Bücher, die dich am meisten geprägt haben.
Die Bibel, eine Gedichtsammlung von Hans Magnus Enzensberger und die Seiten meines Notizbuches, die meines Daseins blaublutenden Abrieb aufnehmen.

15. Welchen Glauben hast du?
Ich glaube an die Einsheit.

16. Ein Lied das dich berührt.
Ach, da sind so viele und ich soll nur eines. Greife ich doch einmal ein völlig unerwartetes heraus: „747“ von Saxon.

17. Etwas das du niemals tun würdest.
Jemanden totmachen, damit Politiker und Kaufleute ein sorgloseres Leben in Raub und Wohlstand haben. Ganz im Gegenteil, eher tötete ich Politiker und Kaufleute.

18. Die Welt geht unter und du kannst drei Dinge mit in ein Raumschiff nehmen, das dich und das was du mitnimmst retten wird. Welche Dinge wären das?
Mein Rucksack (mit Notizbuch), mein Fahrrad und ein Backup meines gesamten, derzeitig im Internet veröffentlichten Schreibens mitsamt einem Gerät, dass mir das Lesen dieses Backups gestattet.

19. Vier Worte, die dich beschreiben.
Schmutz, Krankheit, Armut, Humor.

20. Wie denkst du, wird die Welt untergehen?
Sie wird zwischen Sportschau und Tagesschau untergehen, während die Menschen ihre Wettscheine nachschauen, Streitgespräche am Telefon führen und ihre Seele mit medial vermittelten Hoffnungen und Ängsten zuschaufeln.

21. Was würdest du an dir verändern, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?
Ich machte mich hübscher, konzentrierter, mutiger und kraftvoller.

22. Glaubst du an Mythen? (Vampire, Werwölfe und ähnliches)
Ich habe so viele Vampire im Menschgestalt gesehen, so viele Chefs gehabt, die sich in der Krise in reißende, rücksichtslose Wölfe verwandelt haben, so viele Frauen gesehen, die Männer verhexten, um ihenn das Geld aus der Tasche zu ziehen, so viele Dämonen in den Nachrichten gesehen, von denen die Menschen besessen wurden, kurz: so viel gesehen und geschmeckt, dass ich weiß, woher der Stoff der Mythen kommt.

23. Das Ende ist nah, was würdest du noch einmal tun wollen?
Mich zufrieden zurücklehnen in der Gewissheit, dass ich mein Leben gelebt habe, als nicht der Zeitdruck eines nahenden Endes darauf lastete.

24. Dein häufigster Traum?
Der, den ich bei Wiederkehr des Wachbewusstseins vergesse.

25. Was schätzt du an anderen am meisten?
Wenn sie es schaffen, trotz ihres beschädigten Lebens und der allgegenwärtigen, strukturellen Gewalt sie selbst zu bleiben.

26. Erzähle ein Geheimnis.
Ich habe — bei aller offensichtlicher Zuversicht — manchmal Angst, dass gleich schon alles um mich zusammenbricht. Dass sich meine Existenz splitterfeucht auflöst, so wie ein rohes Ei, dass mit großer Kraft gegen eine Wand geworfen wird. Und manchmal, da sehe ich die Wand geradezu vor mir, so wirklich wird die geheime Angst, die mich aufisst.

27. Eine Kindheitserinnerung.
Einsamkeit, Schmerz und ungehörtes Schreien in einer Welt, die nicht die meine ist.

28. Ein Ort der dir etwas bedeutet.
Meine Heimat ist zerstört worden, als sie von Kaufleuten in ein Objekt des Handels und der Spekulation verwandelt wurde. Kein Ort kann mir noch etwas bedeuten.

29. Was würdest du nicht für deine Liebe tun?
Anschaffen gehen. Weder dort, wo Schwuppen die Öffnung des Anus feilgeboten wird, noch dort, wo das Wort „Arbeitsmarkt“ nur dürftig verbirgt, dass es längst schon um Menschenhandel, um einen Fleischmarkt geht.

30. Dein größtes Laster?
Trashseiten im Internet.

31. Hast du Erfahrungen mit Drogen, egal welcher Art?
Mit Ausnahme von Heroin und Meth habe ich alles durch. Und ich kann nur sagen, dass der klare Verstand die härteste und erfreulichste Droge ist.

32. Würdest du alles für jemanden tun, der dir wichtig ist?
Bin ich bescheuert?

33. Wenn nein, was würdest du nicht tun?
Siehe unter 29. Und wo es „nur“ um Wichtigkeit und nicht um diesen Hirnkitzel namens „Liebe“ geht, da würde ich auch einiges andere nicht tun. Zum Beispiel würde ich nicht das Schreiben aufgeben, keinen Personalausweis mit mir tragen, nicht meine Frisur ändern, nicht das Musikmachen unterlassen, nicht das Rauchen aufgeben und mich auch in Zukunft nur unregelmäßig und widerwillig waschen.

34. Dein Kindheitstraum?
Keine Kindheit, keine Träume.

35. Stadt- oder Landleben?
Leben. Das mit den stinkenden, brummenden, von Hast und Krach erfüllten Städten verträgt sich damit nicht, außer die Städte sind recht klein.

36. Wie sieht Rückzug für dich aus?
Ein Bunker, Schießscharten, automatische Waffen und ausreichend Munition. Und natürlich ein schnell wirksames Gift für mich selbst, wenn der Posten verloren ist. Nur mit dieser Absicherung ist mir ein wirklicher Rückzug möglich, denn ich stehe in dem Krieg, den man dem menschlichen Leben selbst erklärt hat.

37. Das nervigste Wort das du kennst.
Der bescheuerte Anglizismus: „Das macht Sinn“ (an Stelle von „das ist sinnvoll“). Zu viele Menschen haben ihre Sprache nur noch aus schlecht synchronisierten Filmen, in denen das völlig korrekte Englisch in „something makes sense“ falsch-wörtlich in „etwas macht Sinn“ übersetzt wird. Das ist doch wirklich übel, ist es nicht?

38. Drei Lebensgrundlagen für dich.
Sonne, Wasser und das Geräusch, das entsteht, wenn man in völligem Fehlen jeglichen Krachs die Strahlen der Sterne über die Knochen schaben hört.

39. Dein größtes Hobby?
Kein Hobby. Alles, was ich tue, tue ich mit einer Hingabe und einem fröhlichen Ernst, der durch das Wort vom „Hobby“ entwertet würde.

40. Was würdest du dir tätowieren lassen?
Nichts.

41. Hättest du gern Macht?
Oh ja! Denn Macht ist nicht weiter als das Vermögen, sich gegen Widerstände durchsetzen zu können; das Gegenteil vom Scheitern. Mein Leben ist genug vom Scheitern geprägt. Und wenn ich dann gar Macht über andere Menschen erlange, dann verbiete ich ihnen in aller Macht, mir zu gehorchen. Und wenn sie dann ungehorsam werden, denn bestrafe ich sie für ihren Gehorsam gegenüber den Befehl, ungehorsam zu sein. So lange, bis sich alle Rationalisierung auf die Mechanismen der Machtausübung in kreischendes Lachen verwandelt hat, und dann ist so ein weises Theater nicht mehr nötig.

42. Wenn ja, was würdest du tun, wenn du Macht hast?
Ach Mist, das habe ich doch gerade gesagt.

43. Ist dir Geld wichtig?
Vor allem dann, wenn ich es nicht habe. Also eigentlich immer. Aber es ist nicht das Geld, sondern die Tatsache, dass ich unter Umständen lebe, in denen einem die Menschen nur etwas geben, wenn man hässlich bedrucktes Papier und hässliche Metallplättchen dafür hergibt. Wenn mir nicht gelegentlich jemand Geld schenken würde, dann wäre ich nackt.

44. Das wichtigste was eine Freundschaft für dich mitbringen muss.
Eine gemeinsame und jeden Tag gelebte Abneigung gegenüber jeder Form der Dummheit.

45. Dein Lebensmotto?
Das Leben ist kurz, fröhlich und sinnlos.

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1 Kommentar »

  1. […] Groooooooosses Stöckchen! Gefunden beim Anarchisten: […]

    Pingback von Groooooooosses Stöckchen! « — Donnerstag, 14. August 2008 @ 12:33 | Antwort


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