Hol das Stöckchen!

Montag, 11. August 2008

Der neugierige Fragebogen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 04:51

Ach, beim Vorbeistreunen im Her-Life.com-Weblog musste ich doch gleich noch schwanzwedelnd ein Stöckchen ausgraben. Hoffentlich wird es dort vermisst…

Wenn du viel Geld hättest: Wem würdest du davon etwas schenken bzw. spenden?
Wenn ich ganz viel Geld hätte, denn würde ich mir so ein paar hunderttausend Euronen in Noten zu 200 Euro geben lassen. Damit würde ich mich zwei bis drei Tage hinsetzen, um alle diese Banknoten so zu falten, dass man erst auf dem zweiten Blick sieht, dass es sich um Banknoten handelt. Dann würde ich mir einen etwas zu oft getragenen Anzug besorgen, damit es auch optisch überzeugend aussieht. Einen Hut bräuchte ich noch, einen leicht schäbigen Hut, um meines Haupthaares abgekratzte Stellen zu verbergen, damit nicht ein wahrer Eindruck von meiner Person entstünde. In dieser Larve sähe ich aus, wie der gutmütige Mitmensch Spießkopf, der nicht weiß, ob er CSU, PBC oder gleich NPD wählen soll, einfach nur ekelhaft. Und ein großes Pappschild würde ich mir mit aller Kunstfertigkeit bemalen, die ich hinkriege, und darauf stünde der etwas merkwürdige Satz „Jesus bringt den gleißen Mondschein in dein Herz“. Dieses Schild muss mir vor den Bauch. So gewappnet stünde ich eines betriebsamen Nachmittages vor einem Bahnhof einer großen Stadt; in allen meinen Gesten aussehend wie ein Sektierer, der den Menschen mit aufgesetzter Freundlichkeit und Kälte religiöse Traktate in die Hand drückt und dazu Segensformeln aus seiner unterdrückten Seele murmelt. Meine „Traktate“ aber wären aber die gefalteten Banknoten. Und ich bin mir gewiss, dass diese ganzen Menschen, die ihr ganzes Leben nach dem Gelde hetzen und überall den Bückling für ein bisschen Kleingeld machen, in ihrer Mehrzahl meine „Traktate“ aus andressierter Höflichkeit entgegennähmen, um sie ein paar Schritte weiter unbeachtet und zerknüllt auf die Straße zu werfen. Um. Unbeirrt ihrer Geschäfte nachzugehen und sich für viel weniger Geld das Rückgrat brechen zu lassen. Dieser Anblick wäre mir die größte Freude. Die Obdachlosen und Armen freilich, die sich das Wegschauen nicht leisten können, sie bekommen auf ihren Weg durch die Stadt einen Freudentag wie nie, und auch darüber würde ich mich sehr freuen. Mit so viel Freude könnte ich sogar die zwangsweise Einweisung in ein Krankenhaus zur Beurteilung meines Geisteszustandes heiter über mich ergehen lassen.

Welche Eigenschaften oder Angewohnheiten magst du an dir selbst nicht?
Meine Schüchternheit und die Tatsache, dass ich meinen oft als unpassend empfundenen Humor niemals in mir behalten kann. Aber eigentlich mag ich das auch wieder, ich mag nur nicht, dass ich unter Umständen lebe, die mich darin vereinsamen lassen.

Was gefällt dir an Erwachsenen und was nicht? Und was gefällt dir an Kindern und was nicht?
Kinder haben an allen möglichen, oft sehr einfachen Dingen große Freude und dürfen das oft nicht ausleben, weil es ihnen von den Erwachsenen verboten wird. Erwachsene könnten das alles, haben aber an fast nichts mehr Freude und müssen sich jeder Menge sozialer Zwänge beugen. Recht betrachtet, geht es dem Fötus besser als dem geborenen Menschen, der Totgeburt besser als dem Fötus und dem Spermafleck in der Hose besser als der Totgeburt.

Was spielst du am allerliebsten?
Ich spiele nicht.

Was magst du äußerlich nicht so gerne an dir?
Eigentlich mag ich meine gesamte äußere Erscheinung nicht, die so gar nicht zu meinem Selbstgefühl passen will. Aber ihr wisst ja alle, wie das so mit einem Körper ist.

Was kannst du besonders gut?
Schreiben, Hellsingen, Richtigdichten und noch in der unerträglichsten Situation anderen Menschen aufzeigen, dass das Leben nur aus Lust besteht.

Welchen Tag deines bisherigen Lebens würdest du gerne noch einmal erleben und warum?
Ein einzelner Tag ist mir viel zu wenig zum Erneuterleben. Da bedarf es ganzer Abschnitte, in denen ich vom Trübsinn gefesselt gar nicht die Möglichkeiten des Lebens gesehen und ergriffen habe. Wenn es nur ein einzelner Tag sein soll, dann hätte ich gern noch einmal den zwölften August 1995, den Tag, an dem ich endgültig den Verstand verlor.

Wofür stehst du gerne früh auf?
Für nichts.

Wer in deiner Familie kann dich so richtig auf die Palme bringen? Womit schafft er/sie das?
Ich habe keine Familie.

Welches Tier wolltest du immer gerne haben?
Einen Esel.

Was gefällt dir gut an Eurer Wohnung/Eurem Haus und was nicht so gut?
Ich habe keine Wohnung.

Welches Tier wärst du gerne und warum?
Ich wäre gern ein Schwein. Da bräuchte ich meine Geräusche bei der Nahrungsaufnahme nicht mehr zu unterdrücken und hätte ein heiteres Schweineleben mit einer gesunden Einstellung zur Sauberkeit. Aber ich glaube, dass ich als Schwein lieber eine Sau als ein Eber wäre, denn die Kerle haben unter den Schweinen doch immer zuviel Stress und Zank. Ansonsten würde ich den Boden durchgraben, mit feiner Nase nach Leckereien suchen, die Frischlinge an mir nuckeln lassen und mit großem Genuss und sehr ausgiebig suhlen, ohne jemals etwas vom Betteln, von der Verachtung durch andere Menschen, von psychischer Deformation durch gesellschaftliche Zwänge und Selbstmorden meiner Freunde auch nur gehört zu haben. So ein Schweineleben ist doch einfach wundervoll, zumal der gebieterische Tod, dieser Spaßverderber der Denkenden, gar nicht recht in das kleine Schweinehirn passen will. Ohne diese Mauer vor den Augen des Verstandes und ohne die Hölle einer unterdrückerischen menschlichen Gesellschaft ist das Leben endlich wieder das, was es immer hätte sein sollen: Eine reine, unverfälschte Lust an jeder guten Erfahrung. Da wälze ich mich doch gleich noch einmal im Schlamm herum…

Oink, oink…

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1 Kommentar »

  1. Das Stöckchen ist ja uralt. 😀 da weiß ich ja selbst gar nicht mehr, was ich geantwortet habe. Aber nee, wird nicht vermisst. Passt scho 😀

    Kommentar von Nadine — Dienstag, 12. August 2008 @ 10:24 | Antwort


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