Hol das Stöckchen!

Dienstag, 1. Juli 2008

Sechs Zwänge, Ängste, Lebensnöte

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 13:13

Huch, da fand sich zwischen der Wirklichkeit und dem Anderen im Lenormand-Café ein Stöckchen. Feines Stöckchen, das nehme ich gleich mit und vergrabe es hier.

Bei diesem öffentlichen Seelenstriptease geht es um sechs Zwänge, Ängste und Lebensnöte, die man so täglich mit sich herumträgt — als wenn so eine kleine Zahl für einen Menschen ausreichen würde.

Aber fange ich mal an mit der Entblößung

1. Ich bin wahnsinnig schüchtern — Natürlich habe ich meine „Workarounds“ gegen dieses Problem, und wer jemals mein prolles und recht auffälliges Auftreten erlebt hat, wird das kaum glauben können. Aber ich bedarf dafür fast immer eines anderen, der zumindest ein bisschen auf mich zukommt. Und ohne einen solchen äußeren Anlass fühle ich mich immer sehr unsicher, was auch öfter als mir lieb ist dazu führt, dass ich dieser Unsicherheit nachgebe.

2. Stark von der Konvention abweichender Schlafrhythmus — Seit ich den immer tosenderen Lärm meiner Umwelt gar nicht mehr ertragen kann, haben sich meine gesamten Lebensrhythmen verschoben. Vor 21:00 Uhr, wenn das röhrende Brummen langsam nachlässt, kann ich kaum einen vernünftigen Gedanken fassen, dafür verlege ich mein gesamtes Schaffen immer weiter in die Nacht. Wenn ich endlich müde werde, wachen gerade die ersten Vögel auf und begrüßen den Lichtstreif am Horizont mit ihrem Gezwitscher.

3. Neigung zur Selbstvernachlässigung — Bei allem, womit ich mich beschäftige, gehe ich so auf, dass ich mich selbst vergesse. Das ist gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche. Es kann so weit gehen, dass ich tagelang nichts esse, wenn mich ein bestimmtes Problem, ein Gedanke oder die Lage eines Mitmenschen in den Bann reißt. Zum Glück habe ich eh eine ordentliche Wampe, so dass das kein Problem ist. Aber ich vernachlässige auch jede Körperpflege, und das gereicht mir nicht zum Vorteil…

4. Unüberwindlicher Ekel vor vielen Nahrungsmitteln — Es gibt mehrere, sehr große Gruppen von Nahrungsmitteln, bei denen mir schon schlecht davon wird, wenn ich mir nur vorstelle, sie zu essen. Dazu gehört übrigens auch jede Form von Käse, neben praktisch allen Züchtungen der Kohlpflanze (auch Kohlrabi) und Fischen. Etwas davon versehentlich gegessen, und ich kotze mir für Stunden die Seele aus dem Leib und werde vor lauter Ekel krank.

5. Alkoholismus — Als trockener Alkoholiker hat man ein Problem, das von keinem Menschen richtig verstanden wird. Die einen sagen, dass ich gar kein Alkoholiker sei, weil sie mich noch nie beim Saufen gesehen haben, und die meinen dann, ich könnte ruhig ein Gläschen trinken. Was für ein Fehlschluss! Ich kann eben nicht ein Gläschen trinken, daraus werden viele, ganz viele, lebensbedrohlich viele. Die anderen nehmen es ebenfalls auf die leichte Schulter und sagen allzu leichtfertig „Ich bin doch auch Alkoholiker“, während sie ihr Getränk trinken. Was es wirklich an täglichem Kampf bedeutet, in einer Gesellschaft trocken zu bleiben, die die Droge Alkohol in viele kleine und große Rituale des Alltags integriert hat, kann wohl nur jemand ermessen, der wie ich keine andere Chance auf ein Leben hat.

6. Seltsames erotisches Empfinden — Was ich an Frauen erotisch finde, weicht extrem vom allgemein Üblichen ab. Zum einen ist das verhungert aussehende Schönheitsideal der Jetztzeit bei mir ein sehr wirksames Mittel zur Verhinderung einer Erektion; ich bevorzuge doch eher etwas kräftiger und stämmiger gebaute Frauen, die mir dann aber den ganzen Tag in die Ohren heulen, dass sie zu fett seien. Wer schon einmal versucht hat, einer Frau bei dieser Sinfonie des Selbstmitleids zu widersprechen, der weiß, dass das nicht geht. Widerspricht man, kriegt man zu hören, dass man die Unwahrheit sagt, oft mit dem zusätzlichen Pfeffer, dass man wohl lüge, um billig zu trösten. Stimmt man zu, wird es vorbehaltlos geglaubt und ist ein guter Einsteiger für einen ernsthaften Krach. Noch weniger mag ich dieses „klinsch reine“ im heutigen, durch Photoshop weichgespülten Schönheitsideal der Massengesellschaft, ganz im Gegenteil, ich finde, dass Frauen durch ein bisschen Unordnung und deftigen Schmutz sehr viel gewinnen, selbst, wenn das „bisschen“ ein bisschen mehr ist. Aber erzähle das mal einer Frau! Dann weißst du, warum ich einsam bin… 😉

Advertisements

1 Kommentar »

  1. Vielen Dank fürs Mitnehmen:-)

    Es gibt öfter welche, und es sind jetzt auch welche da, die man noch abholen kann:-)

    Viele Grüsse

    Luiza

    Kommentar von Luiza — Montag, 14. Juli 2008 @ 17:40 | Antwort


RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: