Hol das Stöckchen!

Montag, 23. Juni 2008

Zehn schöne Dinge

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 17:59

Schnell im Vorübergehen bei den Nordworten weggeschnappt… und jetzt steht hier meine Liste von zehn schönen Dingen:

  1. Nichts ist schöner als warmes Wetter, bei dem man nicht friert. Ich friere schnell, und ich spreche bereits von Kälte, wenn ich mich in schichtweis Kleidung packen muss. Ein warmer Wind, der die Haut streichelt, lässt das ganze Elend des Daseins für einen Moment in die Ferne rücken.
  2. Wenn unter Blitz und Donner die Wolken bersten und das Wasser wie im Sturz zu Boden fällt und den ganzen Dreck aus der sonst so stinkenden Luft mit sich reißt, denn gibt es nichts schöneres als das Geräusch, das man hört, wenn der Regen auf irgendein Dach prasselt, unter dem man steht.
  3. Kaffee ist ein wunderbares Getränk, die Droge der Müden und Ermatteten. Vor allem, wenn man diese Droge nicht wie so viele Mitmenschen in sich hineinkippen muss, um mit den maschinellen, betrieblichen Anforderungen Schritt zu halten. Ich wollte, ich könnte häufiger Kaffee trinken!
  4. Wenn man in unbehauster Nacht bei schönem Wetter von den Vögeln geweckt wird, wenn man im Grase liegt und über einem ruht die scheinbare Kuppel des Himmels, denn sieht man einen gigantischen Regenbogen. Der Farbverlauf, der morgens am Himmel sichtbar wird und als große lichte Schale über dem Liegenden liegt, ist einfach wunderbar. Die anderen Menschen nennen dieses Schauspiel „Morgengrauen„.
  5. Ach, was habe ich schon alles von den unverbogenen Kindern der Armen und Entwurzelten gelernt! Wie schön ein Mensch ist, der sein Rückgrat noch trägt!
  6. Nur wenige Dinge sind so schön wie die langweilige Ruhe. Viel zu selten kam ich in den letzten Jahren dazu, die brumme Stadt im Immerdröhn zu verlassen, viel zu selten. In Ruhe höre ich erst, wie kaputt ich bin, wie das allgegenwärtige Brummen schon zum inneren, permanenten Ton in meinen Ohren geworden ist, der erst nach Tagen und Tagen auswandern will. Und wenn der innere Ton gegangen ist, hört sich die Welt wieder an, wie sie wirklich kingt: das Rascheln der Gräser und Blätter, der Summsang des kleinen, unbeachteten Lebens, die unorganisierte Symphonie des Seins. Schon eine Viertelstunde in der Stadt zerschmettert diesen Einblick in die Wirklichkeit wieder.
  7. Eine Currywurst mit Pommes! Lecker!
  8. Menschen, die Zeit haben, sind etwas wundervolles. Meistens sind dies übrigens Menschen, die auch nicht fernsehen. Die meisten Menschen haben keine Zeit, haben niemals Zeit, flitzen, hasten wie auf der Hetz nach einem Leben, das doch in ihnen sein sollte. Wenn man diese Menschen trifft, müssen sie unentwegt auf die Uhr und auf ihr Telefon schauen, sie sind niemals bei irgendeiner Sache, immerschon bei der nächsten, und deshalb sind sie auch für keine Sache zu gebrauchen. Jemand mit Zeit ist da ganz anders. Er braucht seine Uhr, wenn er überhaupt eine trägt, gar nicht. Er weiß, dass jedes Ding eine gewisse Zeit benötigt, und er lebt so ruhig, wie das möglich ist. Er stopft den Tag nicht voll mit Terminen und sozialen Verpflichtungen, bis das Gerippe der 24 Stunden auseinanderplatzt. Mit einem solchen Menschen kann man alles machen, sogar eine Revolution. Und ein solcher Mensch sagt mir auch niemals, dass ich ein Problem habe oder gar, dass ich krank bin und am bestens zwangsweise medizinisch behandelt werden muss, bevor er zum nächsten verplanten Lebensabschnitt rennt.
  9. Schlamm.
  10. Für den Kraftlosen sind automatische Waffen ein schönes Ding, da sie seiner Kraftlosigkeit abhelfen. Einen Finger krumm machen kann noch der Schlappste und Marginalisierteste, und diese kleine Geste, einfach wie das Zugreifen, gelangt durch die Verstärkung dieses unentbehrlichen Werkzeuges in die Möglichkeit einer großen Wirkung, so dass man sich auch gegen den Terror der Überlegenen und bandenmäßig Organisierten wirksam zur Wehr setzen kann. Jeder Denkende und im persönlichen Schiffbruch Gestrandete, der genau weiß, dass es für ihn keine Aussicht mehr auf Leben innerhalb des gesellschaftlichen Prozesses gibt, sollte sich eine automatische Waffe und ausreichend Munition zulegen und den Umgang mit diesem Werkzeug gut üben. Es gibt dem weggeworfenen Leben wieder Würde.
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