Hol das Stöckchen!

Montag, 23. Juni 2008

Musik zum Erinnern

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 17:58

Rasch die Schlaufen des Netzes bei Netzgeschädigt aufgebissen, damit der Name auch stimmt, ein Stöckchen geschnappt und hier vergraben.

Bei diesem Stöckchen soll das folgende gelistet werden: 5 Musikstücke die einen an etwas Besonderes erinnern zu nennen, wobei die dazugehörige Erinnerungen nicht unbedingt genannt werden muss. Ich werde es natürlich nicht schaffen, nichts dazu zu schreiben, das ist doch klar… 😉

Shakira: Suerte (nur die spanische Version)
Das überrascht bestimmt ein bisschen. Aber es war dieses Stück in seiner spanischen Version (ich kann kein Spanisch), das mich dazu animierte, einmal das Musikvideo eines erfolgreichen Popstückes Einzelbild für Einzelbild auseinander zu nehmen und daran zu analysieren, von welchen Mängeln die Menschen der Jetztzeit erwürgt werden. Diese drei Wochen Arbeit, bei denen ich selbst fast wahnsinnig wurde, werde ich nie vergessen — und die meisten Ergebnisse schlummern immer noch kaum lesbar in meinen Notizbüchern und sind noch gar nicht in mein Schreiben eingeflossen. Übrigens hat Shakira nach diesem Stück musikalisch stark nachgelassen, und sie kann Englisch nicht halb so ausdrucksstark singen wie Spanisch…

David Bowie: Width Of A Circle
Endlose Stunden in einer Wohngemeinschaft entgleisender Menschen, starker Tee, der das Herz zur Raserei brachte, Nachte voller Worte und Trübsal, Verzweiflung. Die erste Einweisung hinter die Mauern, an denen die Grundrechte enden — er kam nicht mehr klar und schaffte es nicht einmal, sich zu erhängen. Die zweite Einweisung hinter die Mauern, an denen die Grundrechte enden — vorher klebte er sich noch das ganze Zimmer mit den Worten „Klar Denken!“ zu, was auch nichts mehr nützte. Der dritte der WG schoss sich mit Heroin in den Tod, was vielleicht besser als das vorgezeichnete Leben war. So waren wir nur noch zu zweit, allein zu zweit in Verzweiflung. Und wussten. Wie das Leben schmeckt, wenn man arm ist. Ohne die Musik würde ich heute nicht mehr leben.

Bottom 12: Running Of The Bullshitters
Ein Ausflug in den Hardcore, ich weiß. Aber dieses Stück in seiner Grobheit hat so trefflich zusammengefasst, was wir 2000 empfanden, ohne es besser verbalisieren zu können. Und es passt immer noch. Deshalb kennt es wohl auch keiner. Und glaubt es mir: Die Jungs von Bottom 12 sind göttlich, wenn man sie am Rande eines kaum besuchten Konzertes persönlich kennenlernt — und sie können saufen wie die Löcher. Vor allem der kleine, schwarze Schlagzeuger macht eine Whiskeyflasche schneller leer als ich ein Glas Wasser, und der ist dann noch lange nicht am Ende.

Iron Maiden: Revelations
Eher eine persönliche und einsame und sehr traurige Sache, aber dieses Stück von Iron Maiden bleibt wohl für alle Zeiten eines der besten Heavy-Metal-Stücke der Welt. Auch vom Text her.

Pink Floyd: Echoes
Was saßen wir zusammen. Bei einer Musik, die ein unverstandenes Dasein kurz aus seiner Isolation herausholte und bei flaschweis Sprit. Was waren das Zeiten, als wir unsere Gedichte vorm Atombunker der Stadt Hannover schrieben und verlasen, unbeachtet von der Geschäftigkeit der Vorbeischreitenden. Wir sahen damals noch aus, wie jeder andere Mensch auch, wir hatten sogar den Glauben, dass wir eines Lebens teilhaftig werden könnten, wenn auch eines arg beschädigten. Er verlor den Glauben schneller als ich, aber er schrieb bis zuletzt, was seine Eltern dann verbrannten, um die Spuren zu tilgen. „Echoes“ lief, als er sich erschoss. Es lief auch oft, wenn bei beisammen saßen. Und teilten. Und uns mitteilten. Er lebte noch bei seinen Eltern, und die verboten ihm den Kontakt zu mir. Auch. So manchen anderen Kontakt. Aber sie gaben ihm alles, was man mit kaltem Geld kaufen kann. Und forderten Dankbarkeit für das goldene Gefängnis seiner Zukunft. „Echoes“ lief irgendwann durch. Den ganzen Tag. Auf den Pritschen des wohlbehüteten Elternhauses. Er war 14, als er anfing, Gedichte zu schreiben. Er war 15, als wir uns über das Schreiben kennenlernten. Er war 16, als seine Eltern ihm den Umgang mit mir verboten und wir uns nur noch heimlich treffen konnten. Er war 17, als er sich erschoss.

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