Hol das Stöckchen!

Mittwoch, 30. April 2008

Stadt-Stöckchen

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 04:02

Auch, wenn der Klang einen falschen Eindruck erweckt, geht es hier nicht um etwas anstatt eines Stöckchens, sondern um ein Stöckchen über Städte. Und das habe ich gerade unter heftigem Schwanzwedeln bei Jans Technik-Blog entrissen.

In welchen Städten bist du schon gewesen?

pffft! Was für eine Frage. Die kriege ich niemals alle zusammen, aber ich versuche mal im Aussatz meines Hirnes eine Auswahl derjenigen krebsigen Ortschaften auszugraben, an denen ich längere Zeit vegetierte…

Hannover, Linden (bei Hannover), Gehrden (bei Hannover), Amsterdam, München, Hamburg, Paris, København, Göteborg, Bremen, Hameln, Würzburg, Cuxhaven, Springe, Peine, Laatzen, Hildesheim, Genf, Zürich, Kassel, Dortmund, Essen, Wuppertal, Nördlingen, Leer, Celle, Alfeld, Göttingen, Garmisch-Patenkirchen, Rostock, Schwerin, Madgeburg, Berlin, Potsdam, Frankfurt, Köln [… abgebrochen, weil ich sonst zu keinem Ende mehr komme]

Welche Stadt (nicht die, in der du wohnst!) gefällt dir am besten?

Keine.

Alle diese Städte sind nur groß und laut und sie stinken nach Abgas und Scheiße. Nichts, was diese Städte an so genannten „kulturellem Leben“ anzubieten haben, kann den permanenten Schaden wieder aufwiegen, den diese Städte am menschlichen Leben anrichten. Ich habe lange genug in Städten gewest, um zu wissen, wofür es Kopfschmerztabletten, Psychopharmaka, Heroin und Schnaps gibt. Ich habe dort überall mein Gehör, meinen Geruchsinn, meinen Geschmack und meinen Verstand verloren; wobei mich das Gehör am traurigsten stimmt, da es mich der letzten Freude beraubt hat, der Musik. Da, wo selbst die Stimmen der Vögel verzerrt und kreischend klingen, weil sie gegen die Motoren anröhren müssen, da liegt wabernd und wollüstig die Ödnis einer Stadt herum. Genau die richtige Brutstatt für Scooter, Staubsauger und blecherne Klingeltöne. Ein Ort, der mit Polizeiknüppeln und neonbeleuchteten Kneipen das Empfinden der Lebendigkeit zerschlagen muss, ein Ort für Menschen. Die. Das Menschsein in seiner tieferen Möglichkeit hassen. Kein. Ort. Für. Fühlende und Denkende.

Ob es doch eine klitze kleine Ausnahme gibt?

Nein. Keine. Und die kleinen Städte sind die schlimmsten Städte. Ein Tag in Garmisch-Patenkirchen, und man weiß, was einen Amokläufer beseelt. Ein Tag in Hildesheim, und Selbstmord scheint zu leuchten. Ein Tag in Celle, und die Uzi ist dein Freund. Ein Tag in Gehrden, und du träumst von sechstausend durchschnittenen Kehlen. Ein Tag in Hannover, und du bist selbst für den Selbstmord zu traurig. Ein Tag in München, und du freust dich auf den Weltuntergang. Ein Tag in Hameln, und du findest diesen Kindermassenmörder mit der Flöte einen Wohltäter. Ein Tag in Potsdam, und du meinst, dass im Zweite Weltkrieg leider nicht genug Atomwaffen eingesetzt wurden. Die großen sind aber auch schlimm. Hamburg ist ein Beispiel dafür, wie unfreundliche Menschen sich im infernalischen Lärm und ständigen Gestank nach Fäkalien wohlig fühlen können und alles verachten, was nicht so stumpf wie sie sein will. Wer in Köln war, ist sich sicher, dass der Dom ein Versuch war, ein Raumfahrzeug zu bauen, damit man dort wieder wegkommt. Und Berlin. Berlin. Berlin hätte niemals wieder aufgebaut werden dürfen. Diese Ansammlung großmäuliger unfreundlicher kranker Menschreste in den nagelneuen Ruinen hätte sich komplett nach Sibirien deportieren lassen sollen, die wollten doch damals alle unbedingt Lebensraum im Osten. Häßlich wie die Hölle, laut wie eine Bombe, freundlich wie ein Strafzettel, krank wie der Schwarze Tod und dabei stolz wie Luzifer persönlich, aber ohne zu wissen, worauf und warum: das ist Berlin. Nur, dass es brüllender als der Teufel spricht. Man bräuchte tausend Münder, um unentwegt kotzen zu können angesichts dieses Zustandes.

Aber Paris… Paris… Leck mich am Arsch mit diesem Paris. So einen Haufen Dreck habe ich nie wieder erlebt. Von wegen, Paris träumt von der Liebe. Es ist scheißegal, wo du dich in Paris hinstellst, du verstehst dein eigenes Wort nicht. Da kann man ja nur vom Fick in allen Löchern träumen, wenn man das Nein des Fickdings da nicht versteht. Und so sind sie denn, die Pariser, die wissen das genau. Als wenn ihr nasaliertes Vulgärlatein noch nicht unverständlich genug wäre, setzen sie sich zum Treffen auch noch nach draußen an die bohrenden Motoren, um einander nicht zu verstehen. Was die da an Beziehungen haben, hat denn auch den Verlauf eines Verkehrsunfalls. Und der Rest zeht von einer Vergangenheit, die seit mindestens fünfzig Jahren vergangen ist.

Das beste an allen Städten ist der Bahnhof.

Er hat etwas von einem Ausgang.

Und wer sich die Fahrkarte nicht leisten kann, der kann etwas außerhalb des Bahnhofes bleiben und sich vorm Zug werfen.

Welche Stadt hat dir gar nicht gefallen?

Wuppertal.

Jede Stadt ist Scheiße. Aber angesichts Wuppertals findet man einen exkrementellen Vergleich unangemessen, ist die Scheiße doch etwas weiches, nachgiebiges, organisches, ja, in Resten noch schönes. Wuppertal ist nicht einmal mehr Scheiße. Wer da durch diese eine Straße geht, die vom verrosteten Stelzenmonster dieser Sehenswürdigkeit Scheußlichkeit Schwebebahn entwertet wird, der kriegt schon den rechten Eindruck, der auch bei allen weiteren Eindrücken nicht mehr hinwegschweben mag. Eine Stadt, die depressiv wie Hannover, hässlich wie Berlin, stinkend wie Hamburg, erstickend wie der ganze Ruhrpott und unfreundlich wie ein Bescheid der ARGE ist; ein idealer Ort für Menschen, die schon längst mit dem Leben abgeschlossen haben. Und genau so sieht es dort auch aus. Wie ein Ort für Zombies. Die sind da sowas von untot, dass sie gar nicht mehr merken, wie tot sie sind. Da kannst du einen freundlich nach dem Weg fragen, und der geht einfach weiter, ohne dich zu registrieren. Und nachdem du das drei Mal erlebt hast, freust du dich, dass sie nicht dein Gehirn essen wollen. Und denn suchst du den Bahnhof, um da ganz schnell wieder wegzukommen.

Wer glaubt, dass diese reizlose Autobahnabfahrt zwischen Hildesheim und Peine, die in Ermangelung besserer Alternativen zur niedersächsichen Landeshauptstadt geworden ist, an Kleingeistigkeit, Belanglosigkeit und Stumpfheit der Einwohner nicht mehr zu unterbieten wäre, der muss sich unbedingt einmal Wuppertal antun.

Welche Stadt willst du unbedingt noch sehen?

Ich möchte alle diese Städte unbedingt noch einmal nach dem Zusammenbruch des gegenwärtigen Gesellschaftssystemes sehen, als entvölkerte, zerfallende Steinwüsten, wenn sie endlich das wahr machen, was sie heute schon versprechen.

Wer bekommt den Stock?

Was, ich soll das Stöckchen wieder hergeben? So ein feines Stöckchen!? Das grabe ich jetzt hier ein. (Und wer es haben will, der soll es sich wieder ausgraben!)

Wuff!

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