Hol das Stöckchen!

Samstag, 5. April 2008

My All-Time-Top-10-Musikvideos

Filed under: Stöckchen — 124c41 @ 03:04

Ein Stöckchen vom Bloghaus.

10. Mira deJaanorr: Die Ewigkeit des Nichts

Es ist schwierig, die Musik von Mira zutreffend zu beschreiben. Wenn man einfach „Elektro“ sagt, denn denken zu viele Menschen nur an einen linearen Techno. Aber was sie macht, sind monotone, schranzige Landschaften aus der Ödnis des modernen Alltages. Das zur „Ewigkeit des Nichts“ gehörende Video (von Frank Eckert) ist in jeder Hinsicht dazu passend.

9. Primus: My Name is Mud

Hektisch, sonderbar und lustig. Und. Irgendwie krank. Na ja, ist eben Primus.

8. Kylie Minogue: Confide in Me

Nein, ich bin nicht zum Anhänger seichter Popmusik geworden, aber es geht ja auch mehr um den Seheindruck. Ein Video im Stil diverser Hotlines, die das Blaue vom Himmel versprechen, und dazu schmachtet eine schnuckelige Kylie in die Kamera, dass es an angemessenem Zynismus kaum zu überbieten ist.

7. Coldplay: God Put a Smile Upon Your Face

Wo ich schon bei Zynismus bin. Ein schönes Video aus der manifesten Kälte des Lebens, sogar mal ein bisschen zum Stück passend. Ob das der Grund ist, dass kaum jemand dieses Video kennt? Obwohl Coldplay nun wirklich nicht mehr zu den Unbekannten gehört? Egal. Ein sich langsam auflösender Geschäftsmann in einer völlig verständnislosen Welt, der am Ende in völliger Einsamkeit verschwindet, das ist ein treffliches Bild für die gegenwärtige Grausamkeit.

6. Nirvana: Heart Shaped Box

Allein schon der Weihnachtsmann am Kreuz ist es wert, diesen Kürzstfilm unter die größten Zehn zu verorten. Aber auch die anderen Anklänge an den kalten Betrieb der Religion sind hervorragend getroffen. Sehr gelungen auch die typische Ironie eines Kurt Cobain, der viel zu früh ermordet wurde. (Nein, ich glaube nicht an den Selbstmord.) Er schreit im Stück sein „Height, Hate…“, und im Video öffnet der passende Singvogel seinen Schnabel, ein Rabe. Wunderbar! Und wirklich gut getroffen.

5. Soundgarden: Black Hole Sun

Auch so ein Video, dass sich in seiner Wirkung kaum beschreiben lässt. Völlig überzogen gezeichnete Mitmenschen aus dem spießigsten amerikanischen Alltag in Wohnungen voller Tinnef, hinter jeder Ecke lauert der Horror in teils niedlichen Manifestationen, richtige Konsumtrottel eben. Da wird selbst das Ende der Welt zum „Event“.

4. System Of A Down: Aerials

Die Leute von System Of A Down haben es nicht nur geschafft, die unverständlichsten Texte aller Zeiten zu schreiben und sie geradezu symphonisch herauszubrüllen, nein, die Frischepackung am Rande des Hardcore-Regals hat damals auch richtig unverständliche Videos gemacht. Offenbar war das ein Erfolgsrezept, denn selbst hüpffreudige „Normalos“ kannten das Stück und das Video. Die Stimmung ist aber auch zu großartig gelungen. Und beim zehnten Anschauen findet man nicht einmal mehr den Text sinnlos…

3. Prodigy: Poison

Wow! Als das damals neu war und als die Musiksender im Fernsehen noch Musik gebracht haben, da habe ich mich immer gefreut, wenn ich diese Unterbrechung knackiger, klinisch reiner Wackelärsche bei einem Freund gesehen habe. Die klanglich sehr experimentierfreudige Musik hört sich ja schon an, als würde man auf dem Hosenboden durch ein Matschloch rutschen, und dieses Video ist hinreichend dreckig, um diesen Eindruck zu unterstützen.

2. Megadeth: Symphony Of Destruction

Es gibt leider zwei Videos zu diesem Stück, eine relativ harmlose und eine zweite, die sich gewaschen hat. Ich meine natürlich die zweite. Die mit dem Politiker. Der unter allen Szenen des gesellschaftlichen Zerfalls seine Kampagne durchzieht. Gekonnt lächelnd und Kinder streichelnd. Die, wo man Lust kriegt, zur Kalaschnikov zu greifen, falls einem unterwegs so ein Mensch begegnet. Das ist aber nicht zu befürchten, denn die wirklichen Vorbilder dieser Figur sitzen gut abgeschirmt und von Polizisten bewacht in den Regierungsvierteln dieser Welt.

1. Aphex Twin: Come To Daddy

Wie aus der Tristess anonymer Architektur, aus dem Mangel an wirklichem Lebensraum, aus der Kälte des Miteinanders, schwärzlichster Hoffnungslosigkeit und dem Geflacker der Glotze Monster erwachsen, die Kindern und jungen Menschen zum Idol werden, das ist hier so treffend in völlig deprimierenden und erschreckenden Bildern eingefangen, dass ich mich bis heute frage, warum so viele Leute das Stück und das Video kennen. Hat sich wirklich ein Fern-Säh-Sender getraut, das zu bringen? Bestimmt. Denn es ist ja ganz normaler Content, wie jeder andere auch. Schade nur, dass so wenige Zuschauer irgendeinen Einschlag gemerkt haben werden. Es ist ja ganz normaler Content, wie jeder andere auch, gut konsumierbare Wahnwelt. Und jede Ähnlichkeit zur manifesten Wahnwelt des Alltags ist rein zufällig. Und danach wieder der schlechte Rapper mit den prallen Wackelärschen im Bild, das passt. I want you soul. Come to daddy!

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